Praxis-Guide

Kirrung richtig anlegen — Anleitung für Jäger

Von der Standortwahl über erlaubte Kirrmittel bis zur rechtlichen Grundlage: So legst du eine effektive Kirrung an und bejagst Schwarzwild erfolgreich.

Warum kirren?

Die Kirrung ist die wichtigste Methode zur Bejagung von Schwarzwild. Durch das gezielte Ausbringen kleiner Mengen Futter (Kirrmittel) wird das Wild an einen bestimmten Standort gebunden, ohne es zu füttern. Der Unterschied zur Fütterung: Bei der Kirrung geht es um Anlockung, nicht um Ernährung.

Eine gut geführte Kirrung erfüllt mehrere Zwecke: Sie ermöglicht das sichere Ansprechen des Wildes (Alter, Geschlecht, Gesundheit), schafft regelmäßige Jagdmöglichkeiten und hilft bei der Wildschadensvermeidung, indem Schwarzwild von landwirtschaftlichen Flächen ferngehalten wird.

In Deutschland unterliegt die Kirrung strengen jagdrechtlichen Regelungen, die von Bundesland zu Bundesland variieren. Dieser Guide zeigt dir, wie du eine Kirrung richtig anlegst — effektiv und rechtssicher.

Die besten Standorte für deine Kirrung

Der Standort entscheidet über den Erfolg. Diese sechs Positionen haben sich in der Praxis bewährt:

Einstandsnähe

Direkt am Rand des Einstands (Dickung, Brombeerhecke). Das Wild hat kurze Wege und wechselt schneller aus der Deckung. Besonders effektiv bei scheuen Sauen, die weite Strecken meiden.

Tipp: 30–50 m vom Dickungsrand entfernt, auf einer kleinen Lichtung oder Schneise.

Wildwechsel

An regelmäßig genutzten Wechseln zwischen Einstand und Äsung. Erkennbar an Fährten, Malbäumen und Trittspuren. Hier kommt das Wild ohnehin vorbei — die Kirrung bindet es an den Standort.

Tipp: Kirrmittel direkt neben dem Wechsel platzieren, nicht darauf — sonst verteilt es sich durch Tritte.

Waldrand / Feldrand

Am Übergang Wald-Feld, wo Schwarzwild ohnehin einwechselt. Besonders wichtig zur Wildschadensvermeidung — das Kirrmittel lenkt die Sauen vom Feld ab und bindet sie an den Waldrand.

Tipp: 50–100 m vom Feldrand im Wald platzieren, damit die Sauen gar nicht erst ins Feld ziehen.

Suhle / Malbaumbereich

In der Nähe von Suhlen und Malbäumen. Schwarzwild hält sich hier regelmäßig auf. Die Kirrung ergänzt den natürlichen Anreiz und erhöht die Verweildauer am Standort.

Tipp: Nicht direkt an der Suhle, sondern 30–50 m entfernt — so kannst du die Suhle zusätzlich überwachen.

Schneise / Rückegasse

Auf Schneisen und breiten Rückegassen hast du freies Schussfeld und gute Sicht. Das Wild nutzt diese Schneisen als Wechsel. Ideal für Kirrungen, die du vom erhöhten Ansitz beschießen willst.

Tipp: Kirrmittel am Rand der Schneise platzieren, Hochsitz am anderen Ende mit Blick entlang der Schneise.

Bachtal / Feuchtstellen

Bachtäler und feuchte Senken sind natürliche Leitlinien für Schwarzwild. Das Wild folgt dem Wasserlauf und nutzt die feuchten Stellen zum Wühlen und Suhlen.

Tipp: Kirrmittel auf erhöhtem, trockenem Boden neben der Feuchtzone ausbringen — nicht im Matsch.

Erlaubte Kirrmittel

Die Auswahl des richtigen Kirrmittels hängt von Wildart, Jahreszeit und Landesrecht ab. Diese Mittel sind in den meisten Bundesländern erlaubt:

1

Mais (Körner oder Bruch)

Das beliebteste Kirrmittel für Schwarzwild. Hoher Energiegehalt, gut haltbar. Im Boden vergraben (5–10 cm tief) beschäftigt es die Sauen länger und lockt sie gezielter an. Trocken lagern, verschimmelten Mais entsorgen.

2

Eicheln & Kastanien

Natürliche Nahrung, die Schwarzwild ohnehin sucht. Besonders effektiv im Herbst und Winter. Eicheln lassen sich gut sammeln und aufbewahren. Lockwirkung ist geringer als bei Mais, aber naturnäher.

3

Zuckerrübenschnitzel

Getrocknete Zuckerrübenschnitzel sind günstig und haben eine gute Lockwirkung. Sie quellen bei Feuchtigkeit auf und werden dann schnell angenommen. Nicht in großen Mengen ausbringen, da sie bei Nässe schimmeln können.

4

Lockstoffe (Ergänzung)

Anisöl, Buchenholzteer oder spezielle Kirrlockstoffe verstärken die Fernwirkung. Einige Tropfen auf einem Lappen in der Nähe der Kirrung aufgehängt. In manchen Bundesländern sind bestimmte Lockstoffe eingeschränkt.

Menge & Rhythmus

Regelmäßigkeit ist wichtiger als Menge. Diese Grundregeln helfen dir, die Kirrung effektiv zu bewirtschaften:

Tägliche Menge

Maximal 1 kg (ca. 1 Liter) pro Kirrung und Tag. In einigen Bundesländern gelten noch strengere Grenzen. Grundsatz: Nur so viel, dass es der Anlockung dient — die Kirrung darf nicht zur Fütterung werden.

Bestückungs-Rhythmus

Alle 2–3 Tage zur gleichen Tageszeit bestücken. Schwarzwild lernt den Rhythmus und erscheint regelmäßig. Bestücke idealerweise nachmittags, damit die Kirrung zur Dämmerung frisch ist.

Eingraben

Mais 5–10 cm tief eingraben. So beschäftigst du die Sauen länger (Brechen), reduzierst die Aufnahme durch Krähen und Tauben und hältst das Kirrmittel frischer. Mit einem Pflanzeisen oder Erdbohrer schnell erledigt.

Dokumentation

Notiere Datum, Menge und Uhrzeit jeder Bestückung. Bei Kontrollen durch die Jagdbehörde musst du nachweisen können, dass du die erlaubte Menge nicht überschreitest. Eine digitale Dokumentation ist am einfachsten.

Kirrung, Fütterung oder Ablenkung?

Der Unterschied ist rechtlich entscheidend. Diese Tabelle klärt auf:

ArtErlaubt?Erklärung
KirrungKleine Mengen (1 kg/Tag) zum Anlocken
FütterungGroße Mengen zur Ernährung — während der Jagd verboten
AblenkfütterungGezieltes Weglenken von Schadflächen (Sondergenehmigung)
Lockstoff (Anisöl etc.)In den meisten Bundesländern erlaubt — prüfe Landesrecht
Mais auf dem FeldKirrung nur im Wald, nicht auf landwirtschaftlichen Flächen

Rechtliche Grundlagen

Das Kirren ist im Bundesjagdgesetz nicht explizit geregelt — die Vorschriften stammen aus den Landesjagdgesetzen und variieren erheblich:

Grundsätzlich erlaubt

Die Kirrung ist in allen Bundesländern grundsätzlich erlaubt, unterliegt aber Mengenbegrenzungen (meist 1 kg/Tag pro Kirrung). Die genaue Menge, erlaubte Kirrmittel und Anzahl der Kirrungen pro Revier sind landesspezifisch.

Anzeigepflicht beachten

In einigen Bundesländern müssen Kirrungen bei der unteren Jagdbehörde angezeigt werden. Standort und Kirrmittel sind zu dokumentieren. Verstöße gegen die Mengenbegrenzung gelten als Ordnungswidrigkeit und können mit Bußgeldern geahndet werden.

ASP-Restriktionsgebiete

In Gebieten mit Afrikanischer Schweinepest (ASP) gelten besondere Regelungen. Das Kirren kann dort eingeschränkt oder ganz untersagt sein, um die Verbreitung der Seuche zu verhindern. Informiere dich bei deiner Jagdbehörde über den aktuellen Status.

Häufige Fragen zur Kirrung

Wie viel Kirrmittel darf ich ausbringen?
Die erlaubte Menge variiert je nach Bundesland erheblich. In den meisten Ländern liegt die Obergrenze bei 1 Liter (ca. 1 kg) pro Kirrung und Tag. Einige Bundesländer wie Bayern erlauben bis zu 1 Liter Mais pro Kirrung, während andere (z. B. Niedersachsen) strengere Limits haben. Prüfe die aktuelle Regelung in deinem Landesjagdgesetz — Verstöße gelten als Ordnungswidrigkeit.
Welches Kirrmittel ist am besten für Schwarzwild?
Mais (Körner oder geschrotet) ist das beliebteste und effektivste Kirrmittel für Schwarzwild. Alternativ eignen sich Eicheln, Kastanien, Erbsen oder Zuckerrübenschnitzel. Viele Jäger mischen Mais mit Anisöl oder Buchenholzteer, um die Lockwirkung zu verstärken. In einigen Bundesländern sind bestimmte Lockmittel (z. B. Fischmehl) verboten — informiere dich vorab.
Wie weit sollte die Kirrung vom Hochsitz entfernt sein?
Der optimale Abstand liegt bei 30–60 Metern. Bei dieser Entfernung kannst du das Wild sicher ansprechen und einen präzisen Schuss anbringen. Zu nah (unter 20 m) erhöht die Gefahr, dass das Wild den Jäger wittert. Zu weit (über 80 m) erschwert das Ansprechen bei Dämmerung. Stelle den Hochsitz so auf, dass du die Kirrung und den Anwechsel gut einsehen kannst.
Wie oft muss ich die Kirrung bestücken?
Regelmäßigkeit ist wichtiger als Menge. Bestücke die Kirrung alle 2–3 Tage zur gleichen Tageszeit. Schwarzwild lernt den Rhythmus und erscheint regelmäßiger. Lege nur so viel aus, dass das Kirrmittel bis zur nächsten Bestückung aufgebraucht ist. Reste locken Ratten und Krähen an und verschmutzen den Standort.
Darf ich ganzjährig kirren?
In den meisten Bundesländern darfst du ganzjährig kirren, da Schwarzwild (außer führende Bachen) keine Schonzeit hat. Beachte aber die jagdrechtlichen Einschränkungen in deinem Bundesland. Einige Länder erlauben das Kirren nur während der Jagdzeit auf die jeweilige Wildart. Die Kirrung darf nie zur Fütterung werden — es darf nur so viel ausgelegt werden, dass es der Anlockung dient.

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