Blattjagd-Guide

Blattjagd auf den Rehbock — Erfolgreich blatten

Die richtige Technik, die wichtigsten Lockrufe und das perfekte Timing: So gelingt die Blattjagd in der Rehbrunft von Juli bis August.

Was ist die Blattjagd?

Die Blattjagd (auch „Blatten") ist eine traditionelle Form der Lockjagd auf den Rehbock während der Rehbrunft (Blattzeit) im Juli und August. Der Jäger imitiert mit einem Blatter — einem kleinen Lockinstrument — die Laute einer Ricke oder eines Kitzes, um einen brunftigen Bock anzulocken.

Die Methode nutzt das Territorialverhalten und den Paarungstrieb des Rehbocks. Ein Bock, der den Fiep einer Ricke hört, nähert sich, um sie zu beschlagen. Hört er den Sprengfiep — den Laut einer flüchtenden, von einem Rivalen verfolgten Ricke — kommt er, um den Konkurrenten zu vertreiben.

Die Blattjagd gehört zu den faszinierendsten Jagdarten überhaupt: Der Jäger wird vom Beobachter zum aktiven Akteur, der das Wild gezielt zu sich lockt. Gleichzeitig erfordert sie Geduld, Übung und ein gutes Verständnis des Rehwild-Verhaltens. Die Hauptblattzeit liegt zwischen dem 20. Juli und dem 10. August, wobei einzelne Böcke auch bis Mitte August noch auf den Blatter reagieren.

Die wichtigsten Lockrufe

Vier Lockrufe sollte jeder Blattjäger beherrschen — vom sanften Grundton bis zum aggressiven Angstschrei:

Fiepen (Rickenfiep)

Der Grundruf der Blattjagd. Imitiert den Kontaktlaut der Ricke — ein sanftes, hohes «Fiiiep». Zieht den Bock an, der eine paarungsbereite Ricke vermutet. Universell einsetzbar und der sicherste Ruf für Einsteiger.

Tipp: Zwei bis drei Mal fiepen, dann 5–10 Minuten Pause. Weniger ist mehr.

Sprengfiep

Ein kurzer, scharfer Fiep, der eine Ricke imitiert, die von einem Bock bedrängt wird und flüchtet. Provoziert territoriale Böcke, die den vermeintlichen Rivalen vertreiben wollen. Besonders effektiv bei platzhirschartigen, dominanten Böcken.

Tipp: Nur einsetzen, wenn auf den normalen Fiep keine Reaktion kommt. Zu häufiger Einsatz wirkt unnatürlich.

Angstschrei (Kitzklage)

Imitiert den Angstschrei eines Kitzes in Not — ein durchdringender, schriller Laut. Löst den Schutzinstinkt der Ricke und des Bocks aus. Sehr effektiv, aber auch sehr aggressiv. Kann auch Füchse und Schwarzwild anlocken.

Tipp: Sparsam verwenden. Nur ein bis zwei Mal rufen, dann lange warten. Wirkt besonders gut am Anfang der Brunft.

Platzfiep

Ein kurzes, leises Fiepen auf engem Raum — imitiert eine Ricke, die auf der Stelle steht und sich paarungsbereit zeigt. Ideal für Böcke, die sich nähern, aber nicht austreten wollen. Gibt dem zögerlichen Bock den letzten Impuls.

Tipp: Sehr leise und nur ein einzelner, kurzer Fiep. Erst einsetzen, wenn du weißt, dass ein Bock in der Nähe ist.

Timing & Wetter

Der Zeitpunkt entscheidet über Erfolg oder Misserfolg der Blattjagd. Diese Faktoren bestimmen die Aktivität der Böcke:

Tageszeit

+

Früher Morgen (erste 2 Stunden nach Sonnenaufgang) und später Abend (letzte Stunde vor Sonnenuntergang)

-

Mittagshitze bei klarem Himmel — Ausnahme: schwüle, bedeckte Tage

Temperatur

+

Warm und schwül (20–28 °C) — die Böcke sind unruhig und suchen aktiv nach Ricken

-

Kühle, regnerische Tage unter 15 °C — reduzierte Brunftaktivität

Wind

+

Leichter Wind (5–10 km/h) — trägt den Lockruf, ohne die Witterung zu verteilen

-

Starker Wind (>20 km/h) — Lockrufe werden verweht, Wild bleibt in Deckung

Wetter & Mondphase

+

Bewölkt, schwül, leicht bedeckt. Neumond und abnehmender Mond (mehr Dämmerungsaktivität)

-

Helle Vollmondnächte — Böcke sind nachts aktiv und tagsüber satt und ruhig

Ausrüstung für die Blattjagd

Die Blattjagd erfordert wenig Spezialausrüstung — aber die richtige Grundausstattung entscheidet über den Erfolg:

Blatter

Buttolo (Gummi-Blatter) für Einsteiger, Rottumtaler (Holz-Blatter) für Fortgeschrittene, oder ein Buchenblatt als natürliche Alternative. Übe den Ruf zu Hause, bis er sicher und natürlich klingt.

Fernglas

Ein gutes Fernglas (8x42 oder 10x42) ist bei der Blattjagd unerlässlich. Du musst den herankommenden Bock sicher ansprechen, bevor du schießt. Lichtstärke ist bei Dämmerungsjagd entscheidend.

Tarnkleidung

Gedeckte, der Umgebung angepasste Farben in Grün und Braun. Vermeide helle oder kontrastierende Kleidung. Der Bock fixiert den Ruf mit den Augen — jede Bewegung und unnatürliche Form fällt auf.

Sitzstock oder Ansitzstuhl

Ein leichter Sitzstock oder Pirschstuhl ermöglicht langes, ruhiges Sitzen am Boden. Bodennähe bringt dich unter den Hauptwindstrom und verringert die Silhouette. Ideal für die Blattjagd im Feld oder an Waldrändern.

Technik: Schritt für Schritt

So gehst du bei der Blattjagd systematisch vor — vom Anstellen bis zum Schuss:

1

Ansitz mit gutem Wind wählen

Der Wind muss vom erwarteten Einstand des Bockes zu dir wehen — oder quer. Blatte niemals mit dem Wind im Rücken, sonst wittert der Bock dich, bevor er in Sichtweite kommt. Positioniere dich so, dass du freies Schussfeld in die Hauptwindrichtung hast.

2

15–20 Minuten warten

Setze dich mindestens 15 Minuten ruhig an, bevor du den ersten Ruf absetzt. So lässt du die Umgebung zur Ruhe kommen. Nutze die Zeit, um das Gelände zu beobachten und mögliche Wechsel zu identifizieren.

3

Mit leisem Fiep beginnen

Starte mit einem sanften Rickenfiep — zwei bis drei Mal im Abstand von wenigen Sekunden. Der Ton soll natürlich klingen und nicht zu laut sein. Ein Bock in 200 Metern Entfernung hört diesen Ruf problemlos.

4

5–10 Minuten Pause einlegen

Nach dem ersten Fiepen: Absolute Stille und Bewegungslosigkeit. Der Bock braucht Zeit, um den Ruf zu verorten und sich zu nähern. Viele Fehler entstehen durch zu häufiges Blatten. Geduld ist der Schlüssel.

5

Ruf wiederholen und variieren

Kommt nach 5–10 Minuten keine Reaktion, wiederhole den Fiep. Du kannst nun etwas lauter oder intensiver rufen. Ein Wechsel zum Sprengfiep kann einen zögerlichen Bock provozieren. Vermeide jedoch monotones Wiederholen des gleichen Tons.

6

Intensität steigern oder abbrechen

Bleibt nach 30–40 Minuten jede Reaktion aus, kannst du einen einzelnen Angstschrei versuchen oder den Standort wechseln. Erzwinge nichts — manchmal ist der Bock einfach nicht da. Ein Standortwechsel mit 300–500 Metern Abstand kann den Erfolg bringen.

Praxis-Tipp: Halte die Büchse während der gesamten Blattjagd schussbereit. Der Bock kann blitzschnell erscheinen und steht manchmal nur wenige Sekunden. Wer erst nach dem Auftauchen des Bockes zur Büchse greift, verliert wertvolle Zeit und riskiert, durch die Bewegung bemerkt zu werden.

Häufige Fehler bei der Blattjagd

Diese fünf Fehler kosten die meisten Blattjagd-Erfolge — und wie du sie vermeidest:

Zu viel blatten

Maximal alle 5–10 Minuten rufen. Zwischen den Rufen absolute Stille halten. Ein Bock hört einen einzelnen Fiep auf mehrere hundert Meter — Dauerrufen ist unnatürlich und verdächtig.

Zu laut anfangen

Immer leise starten und nur langsam steigern. Ein zu lauter erster Ruf kann einen nahen Bock vergrämen. Lieber zu leise als zu laut — die Lautstärke kann immer noch erhöht werden.

Falsche Windrichtung

Windrichtung ist der wichtigste Faktor. Blatten gegen den Wind ist sinnlos — der Bock wittert dich, bevor er reagiert. Prüfe den Wind mit Windpuder oder einem leichten Faden am Lauf.

Zu früh aufgeben

Mindestens 45–60 Minuten am Standort bleiben. Manche Böcke brauchen 30 Minuten und mehr, um zu reagieren — besonders ältere, erfahrene Stücke. Geduld unterscheidet den erfolgreichen Blattjäger vom erfolglosen.

Keine Geduld beim Ansprechen

Wenn der Bock kommt: Nicht sofort schießen. Ruhig ansprechen, Geschlecht und Alter sicher bestimmen. In der Aufregung der Blattjagd werden die meisten Fehler beim Ansprechen gemacht. Lieber einen Bock ziehen lassen als einen Fehlabschuss riskieren.

Häufige Fragen zur Blattjagd

Wann ist die beste Zeit zum Blatten?
Die Hauptblattzeit liegt zwischen dem 20. Juli und dem 10. August — dem Höhepunkt der Rehbrunft. Die erfolgversprechendsten Tageszeiten sind die ersten zwei Stunden nach Sonnenaufgang und die letzte Stunde vor Sonnenuntergang. An schwülen, windstillen Tagen kann die Blattjagd auch in der Mittagszeit erfolgreich sein, wenn die Böcke unruhig sind.
Welcher Blatter ist für Anfänger am besten geeignet?
Für Einsteiger empfiehlt sich der Buttolo-Blatter (Gummiblatter). Er ist einfach zu bedienen, liefert zuverlässig den Grundton des Rickenfieps und verzeiht kleine Fehler in der Handhabung. Wer mehr Kontrolle und Variationsmöglichkeiten sucht, kann später auf den Rottumtaler Blatter (Holzblatter) umsteigen, der allerdings mehr Übung erfordert.
Wie laut muss ich blatten?
Weniger ist mehr. Beginne immer leise — ein Rehbock hört den Fiep auf 200–300 Meter. Starte mit einem sanften Rickenfiep und steigere die Lautstärke nur, wenn nach 10–15 Minuten keine Reaktion kommt. Zu lautes Blatten wirkt unnatürlich und kann den Bock vergrämen statt anlocken.
Was mache ich, wenn der Bock zwar kommt, aber nicht austritt?
Bleibe ruhig und warte. Viele Böcke sichern minutenlang aus der Deckung, bevor sie austreten. Blatten in dieser Situation ist kontraproduktiv — der Bock hat die Richtung bereits erkannt und sucht mit den Augen. Ein leises Knacken eines zerbrochenen Ästchens kann ihn zum Austreten verleiten. Vermeide jede Bewegung und halte die Büchse schussbereit.
Kann ich auch bei Regen blatten?
Bei leichtem Regen ist die Blattjagd durchaus möglich — die Böcke sind oft unruhig und stehen schlecht. Bei starkem Regen oder Gewitter ist die Jagd wenig erfolgversprechend, da die Geräusche schlecht tragen und das Wild in Deckung bleibt. Die besten Bedingungen sind schwüle, warme Tage mit leichter Bewölkung und wenig Wind.
Wie oft darf ich am selben Standort blatten?
Einen Standort solltest du maximal alle 3–4 Tage ansteuern. Häufigeres Blatten am selben Platz macht den Bock misstrauisch — er verbindet den Ort mit dem unnatürlichen Lockruf. Wechsle zwischen mehreren Ansitzplätzen im Revier, um den Jagddruck gering zu halten.

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