Gesellschaftsjagd

Drückjagd planen — Organisation & Sicherheit

Von der Planung über die Sicherheitseinweisung bis zum Streckelegen: Der komplette Leitfaden für die erfolgreiche Drückjagd.

Was ist eine Drückjagd?

Die Drückjagd ist eine Gesellschaftsjagd, bei der Wild durch Treiber und Hunde aus seinen Einständen langsam gedrückt (nicht gehetzt) wird. Die Schützen stehen auf vorher festgelegten Ständen und erlegen das vorbei wechselnde Wild. Im Gegensatz zur Treibjagd, bei der das Wild durch lautes Treiben flüchtig gemacht wird, soll das Wild bei der Drückjagd ruhig und langsam wechseln — das ermöglicht sichere und waidgerechte Schussabgaben.

Die Drückjagd gilt als die effektivste Methode zur Regulierung von Schwarzwild-Beständen. In einer einzigen Drückjagd können auf großer Fläche mehr Stücke erlegt werden als in Wochen reiner Ansitzjagd. Gleichzeitig ist der Jagddruck über das Jahr gering, da nur wenige Jagdtage stattfinden — das Wild wird nicht dauerhaft beunruhigt.

In Zeiten steigender Schwarzwild-Bestände und zunehmender Wildschäden in der Landwirtschaft ist die Drückjagd für viele Reviere unverzichtbar geworden. Sie erfordert allerdings eine sorgfältige Planung, strenge Sicherheitsregeln und eine gute Zusammenarbeit aller Beteiligten.

Drückjagd vs. andere Jagdarten

Jede Jagdart hat ihre Berechtigung. Die Drückjagd ist besonders dort die richtige Wahl, wo auf großer Fläche effektiv Schalenwild reguliert werden muss:

Drückjagd

Vorteile

  • +Effektivste Methode zur Schwarzwild-Reduktion
  • +Große Flächen in kurzer Zeit bejagbar
  • +Geringer Jagddruck über das Jahr (wenige Jagdtage)
  • +Soziales Ereignis, stärkt die Jagdgemeinschaft

Nachteile

  • Hoher Organisationsaufwand
  • Viele Beteiligte nötig (Schützen, Treiber, Hundeführer)
  • Wetterabhängig
  • Sicherheitsrisiko bei mangelhafter Organisation

Ansitzjagd

Vorteile

  • +Geringer Organisationsaufwand
  • +Sehr selektiv (Wildart, Alter, Geschlecht)
  • +Minimale Störung im Revier
  • +Einzeln durchführbar

Nachteile

  • Geringe Strecke pro Ansitz
  • Zeitintensiv (viele Stunden für wenig Erfolg)
  • Für Schwarzwild-Reduktion allein nicht ausreichend
  • Regelmäßiger Jagddruck über die gesamte Saison

Einzeljagd (Pirsch)

Vorteile

  • +Höchste Selektivität
  • +Flexibel und spontan durchführbar
  • +Keine Helfer nötig
  • +Intensives Jagderlebnis

Nachteile

  • Sehr niedrige Strecke
  • Hohe Anforderungen an Revierkenntnis
  • Für Bestandsregulierung kaum geeignet
  • Stark wetterabhängig

Planung & Organisation in 6 Schritten

Eine erfolgreiche Drückjagd steht und fällt mit der Vorbereitung. Beginne mindestens 6–8 Wochen vor dem geplanten Termin:

1

Termin festlegen

Die Drückjagdsaison liegt zwischen Oktober und Januar. Wähle einen Termin mit ausreichend Vorlauf (mindestens 6–8 Wochen). November und Dezember sind ideal: Das Laub ist gefallen, die Sicht im Wald ist gut und die Temperaturen ermöglichen eine einwandfreie Wildbrethygiene. Vermeide Termine an Feiertagen und stimme dich mit Nachbarrevieren ab, um gleichzeitige Jagden zu verhindern.

2

Genehmigung einholen

Melde die Gesellschaftsjagd bei der unteren Jagdbehörde an — je nach Bundesland 2–4 Wochen vorher. Benachrichtige angrenzende Revierinhaber schriftlich und informiere die zuständige Forstbehörde. Bei revierübergreifenden Jagden schließe eine schriftliche Vereinbarung mit allen beteiligten Revierinhabern ab.

3

Schützen & Treiber einladen

Erstelle eine Einladungsliste mit bewährten Schützen und Treibern. Versende die Einladung mindestens 4 Wochen vorher mit allen wichtigen Infos: Datum, Treffpunkt, Uhrzeit, Wildarten, zugelassene Kaliber, Anforderungen an Signalkleidung und Versicherungsnachweis. Fordere eine verbindliche Zu- oder Absage an.

4

Standverteilung planen

Lege die Schützenstände fest — jeder Stand braucht einen sicheren Kugelfang und freien Schussbereich. Markiere die Stände auf einer Revierkarte und nummeriere sie. Plane die Anfahrtswege, Parkplätze und die Reihenfolge der Standverteilung. Berücksichtige die Hauptwechsel und Einstände des Wildes.

5

Hunde organisieren

Sprich frühzeitig Hundeführer mit geeigneten Stöber- oder Brackenführer an. Pro 50–80 Hektar Treiben sollte mindestens ein Gespann (Hundeführer + Hund) eingeplant werden. Kläre vorab: Sind die Hunde drückjagderfahren, spurlaut und abrufbar? Plane einen Sammelplatz für die Hunde und informiere die Hundeführer über das Gelände.

6

Sicherheitseinweisung vorbereiten

Erstelle eine schriftliche Sicherheitseinweisung mit allen Regeln: Schussbereiche, 30-Grad-Regel, Signalkleidung, Verhalten am Stand, Schießverbotszonen, Notrufnummern und Verhalten bei Unfällen. Bereite eine Teilnehmerliste mit Unterschrift vor — jeder Teilnehmer bestätigt, dass er die Sicherheitsregeln verstanden hat.

Sicherheit — das Wichtigste bei der Drückjagd

Sicherheit geht vor Jagderfolg. Diese Regeln sind nicht verhandelbar und gelten für jeden Teilnehmer ohne Ausnahme:

Schussbereich & Kugelfang

Kritisch

Jeder Schütze hat einen klar definierten Schussbereich. Geschossen wird nur in Richtung des zugewiesenen Kugelfangs — niemals in Richtung anderer Stände, Wege oder Siedlungen. Der Kugelfang muss natürlich vorhanden sein (Erdwall, Hang). Bei flachem Gelände ohne Kugelfang darf nur auf kurze Distanz (unter 50 m) geschossen werden.

30-Grad-Regel

Kritisch

Zwischen den Schützenstständen gilt ein Schießverbot im Winkel von 30 Grad zu jeder Seite der Verbindungslinie zum Nachbarstand. Dieser Sicherheitswinkel schützt die Nachbarschützen. Im Zweifelsfall: Nicht schießen. Die Regel gilt auch bei vermeintlich weiter entfernten Nachbarstständen.

Signalkleidung (Orange!)

Kritisch

Alle Teilnehmer — Schützen, Treiber und Hundeführer — tragen gut sichtbare Signalkleidung in Orange oder Gelb-Orange. Mindestens eine Warnweste, besser eine komplette Signaljacke und -hose. Auch die Hunde tragen Signalhalsbänder oder -westen. Ohne Signalkleidung kein Zugang zum Treiben.

Schießverbot bei Treibern in Sichtweite

Kritisch

Sobald Treiber, Hundeführer oder andere Personen im Schussfeld sichtbar sind, herrscht absolutes Schießverbot — unabhängig davon, welches Wild in Anblick kommt. Erst wenn die Personen den Gefahrenbereich verlassen haben und der Kugelfang sicher ist, darf wieder geschossen werden.

Waffe erst am Stand laden

Die Waffe wird ungeladen und mit geöffnetem Verschluss zum Stand transportiert. Erst am Stand und in Schussrichtung wird geladen. Nach dem Abblasen wird die Waffe sofort entladen und gesichert. Beim Verlassen des Standes ist die Waffe ungeladen zu tragen. Kein Laden oder Entladen auf dem Weg zum oder vom Stand.

Verhalten bei Nachzüglern

Nach dem Abblasen (drei lange Signale) ist die Jagd sofort beendet. Es darf nicht mehr geschossen werden — auch nicht auf Wild, das nach dem Abblasen noch wechselt. Waffen werden entladen. Wer nach dem Abblasen noch schießt, wird sofort von der Jagd ausgeschlossen.

Grundsatz: Im Zweifelsfall wird nicht geschossen. Kein Stück Wild ist es wert, einen Menschen zu gefährden. Der Jagdleiter hat das Recht und die Pflicht, jeden Teilnehmer, der gegen Sicherheitsregeln verstößt, sofort von der Jagd auszuschließen.

Ablauf am Jagdtag

Der Jagdtag folgt einem festen Ablauf. Als Jagdleiter hast du die Verantwortung, dass jeder Schritt reibungslos und sicher abläuft:

1

Treffpunkt & Begrüßung

Alle Teilnehmer finden sich am vereinbarten Treffpunkt ein. Der Jagdleiter prüft die Teilnehmerliste, kontrolliert Jagdscheine, Waffenbesitzkarten und Versicherungsnachweise. Signalkleidung wird kontrolliert — ohne Orange kein Zugang.

2

Sicherheitseinweisung durch den Jagdleiter

Der Jagdleiter hält die Sicherheitseinweisung: Schussbereiche, freigegebene Wildarten, zugelassene Kaliber, 30-Grad-Regel, Verhalten am Stand, Signale (Anblasen, Abblasen), Notrufnummern. Jeder Teilnehmer unterschreibt die Teilnehmerliste und bestätigt die Kenntnisnahme der Regeln.

3

Standverteilung

Die Schützen werden auf die nummerierten Stände verteilt — durch den Anstellführer oder per Losverfahren. Jeder Schütze erhält eine Standkarte mit Schussbereich, Kugelfang und Nachbarstständen. Treiber und Hundeführer beziehen ihre Positionen am Rand des Treibens.

4

Anblasen — Das Treiben beginnt

Der Jagdleiter gibt das Signal zum Anblasen (ein langer Ton auf dem Jagdhorn). Die Treiber setzen sich mit den Hunden in Bewegung. Die Schützen beobachten ihren Schussbereich aufmerksam. Das Treiben dauert in der Regel 1,5–3 Stunden, je nach Reviergröße.

5

Abblasen — Jagd ist beendet

Drei lange Töne auf dem Jagdhorn signalisieren das Ende des Treibens. Alle Waffen werden sofort entladen. Kein Schuss fällt mehr nach dem Abblasen. Die Schützen bleiben zunächst auf ihren Ständen und warten auf den Anstellführer oder eine gesonderte Anweisung.

6

Streckelegen

Das erlegte Wild wird zum Sammelplatz gebracht und nach Wildart sortiert auf Strecke gelegt. Der Jagdleiter würdigt die Strecke mit einem Jagdhornbläser-Signal (Jagd vorbei, Halali, Totenblasen je nach Wildart). Erleger erhalten den Bruch (Eichenbruch am Hut). Die Strecke wird fotografisch dokumentiert.

Nach der Jagd

Mit dem Abblasen ist die Jagd nicht vorbei. Die Nachbereitung ist genauso wichtig wie die Durchführung — für die Wildbrethygiene, die Dokumentation und die Planung zukünftiger Jagden:

Nachsuche mit Schweißhunden

Jedes beschossene Stück wird nachgesucht. Der Jagdleiter dokumentiert alle Schussabgaben und organisiert die Nachsuche mit erfahrenen Schweißhundführern. Die Nachsuche beginnt frühestens 2–3 Stunden nach dem Schuss (Totsuche ausgenommen). Jeder Schütze meldet seine Schussabgaben ehrlich — auch unsichere Treffer.

Wildbrethygiene

Das erlegte Wild wird zeitnah aufgebrochen und versorgt. Bei Drückjagden zählt Geschwindigkeit: Das Wild sollte innerhalb von 2 Stunden nach dem Erlegen aufgebrochen sein. Achte auf Anzeichen von Krankheiten oder Parasitenbefall und melde auffällige Befunde dem Jagdleiter. Sorge für ausreichend Kühlmöglichkeiten (Kühlwagen, Wildkammer).

Streckenprotokoll

Dokumentiere die gesamte Strecke: Wildart, Geschlecht, Altersklasse, geschätztes Gewicht und Erleger. Das Protokoll dient der Abschussplanung, der Meldung an die Jagdbehörde und der Auswertung für zukünftige Drückjagden. Digitale Tools wie Huntimo erleichtern die Erfassung und Auswertung erheblich.

Schüsselbericht & Auswertung

Sammle die Rückmeldungen aller Schützen: Wie viele Stücke wurden angetragen? Wie war die Sicht? Waren die Stände gut gewählt? Welche Wildarten wurden beobachtet? Diese Informationen helfen dir, die nächste Drückjagd besser zu planen und die Standverteilung zu optimieren.

Checkliste für den Jagdleiter

Alles auf einen Blick — diese Punkte sollten vor der Drückjagd abgehakt sein:

  • Termin festgelegt und mit Nachbarrevieren abgestimmt
  • Behördliche Anmeldung/Genehmigung erledigt
  • Angrenzende Revierinhaber schriftlich benachrichtigt
  • Einladungen mit allen Infos versendet (Datum, Ort, Wildarten, Kaliber, Signalkleidung)
  • Teilnehmerliste mit Zu-/Absagen geführt
  • Schützenstände festgelegt, nummeriert und auf Karte markiert
  • Kugelfang an jedem Stand geprüft
  • Hundeführer mit geeigneten Hunden organisiert
  • Treiber eingeteilt und eingewiesen
  • Schriftliche Sicherheitseinweisung vorbereitet
  • Teilnehmerliste mit Unterschriftenfeld vorbereitet
  • Standkarten für jeden Schützen erstellt
  • Jagdhornbläser für Anblasen/Abblasen/Strecke organisiert
  • Schweißhundführer für Nachsuche eingeplant
  • Aufbrechplatz und Kühlmöglichkeiten vorbereitet (Kühlwagen/Wildkammer)
  • Erste-Hilfe-Material und Notrufnummern bereitgelegt
  • Verpflegung für Schüsseltrunk/Jagdessen organisiert
  • Streckenprotokoll-Vorlage vorbereitet
  • Signalwesten als Reserve für vergessliche Teilnehmer bereitgelegt
  • Anfahrtsbeschreibung und Parkplätze kommuniziert

Häufige Fragen zur Drückjagd

Wie viele Schützen braucht man für eine Drückjagd?
Die Anzahl hängt von der Reviergröße und dem Gelände ab. Als Faustregel gilt: Pro 50–80 Hektar Waldfläche ein Schützenstand. Für ein durchschnittliches Treiben von 200–400 Hektar sind 15–30 Schützen und 5–10 Treiber mit Hunden üblich. Wichtig ist, dass jeder Schütze einen sicheren Stand mit ausreichendem Kugelfang hat — lieber weniger Stände als unsichere Positionen.
Wann ist die beste Zeit für eine Drückjagd?
Die klassische Drückjagdsaison liegt zwischen Oktober und Januar. Optimal sind die Monate November und Dezember: Das Laub ist gefallen (bessere Sicht), die Temperaturen sind niedrig (bessere Wildbrethygiene) und die Schwarzwild-Rotte ist aktiv. Einzelne Bundesländer haben abweichende Regelungen — prüfe die Jagdzeiten deines Bundeslandes.
Welche Hunde eignen sich für die Drückjagd?
Bewährt haben sich spurlaute, kurzjagende Hunde mittlerer Größe: Deutsch Drahthaar, Brandlbracke, Deutsche Bracke, Bayerischer Gebirgsschweißhund oder Terrier. Entscheidend ist, dass die Hunde spurlaut sind (der Schütze hört, woher das Wild kommt), nicht zu schnell jagen (Wild soll langsam wechseln) und gut abrufbar sind. Stöberhunde wie der Deutsche Wachtelhund eignen sich besonders gut.
Was passiert bei einem Schießunfall auf der Drückjagd?
Der Jagdleiter ist für die Sicherheit verantwortlich. Bei einem Unfall gilt: Sofort Erste Hilfe leisten, Notruf (112) absetzen, die Jagd sofort abblasen und alle Schützen auf ihren Ständen belassen. Der Jagdleiter muss den Unfall der Polizei und der Jagdbehörde melden. Dokumentiere den Unfallhergang und sichere Beweise. Die Jagdhaftpflichtversicherung muss umgehend informiert werden.
Brauche ich eine behördliche Genehmigung für eine Drückjagd?
In den meisten Bundesländern muss eine Gesellschaftsjagd (ab 4 Teilnehmer) der zuständigen unteren Jagdbehörde gemeldet werden — in der Regel 2–4 Wochen vorher. Angrenzende Revierinhaber sind zu benachrichtigen. In manchen Ländern ist eine förmliche Genehmigung erforderlich, in anderen reicht eine Anzeige. Prüfe die Regelungen deines Bundeslandes und kontaktiere frühzeitig die Behörde.
Wie wird die Strecke nach einer Drückjagd aufgeteilt?
Das erlegte Wild gehört dem Revierinhaber, auf dessen Fläche es zur Strecke kam. Der Schütze hat in der Regel keinen Eigentumsanspruch, es sei denn, es wurde vorher anders vereinbart. Bei revierübergreifenden Drückjagden wird die Zuordnung vorab in der Jagdvereinbarung geregelt. Das Streckelegen am Ende der Jagd dient der gemeinsamen Übersicht und Dokumentation.

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